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Am Medienevent der Swisscom für das iPhone staunte die Redaktion der Werbewoche nicht schlecht, als man die Medienmacher über ihr Erscheinen ausfragte. Die Journalisten wollten nur etwas: das iPhone. Die Enttäuschung war entsprechend gross.
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Die Lancierung des iPhone 3G war ohne Zweifel eine Sensation. Die Werbewoche-Redaktion war selbst vor Ort und staunte nicht schlecht, als sie das Gerangel vor dem Swisscom-Shop in Zürich beobachtete. Noch mehr gestaunt haben wir über den Medienevent im Restaurant Hiltl. Vor dem offiziellen Verkaufsstart des iPhone 3G lud der Telefonkonzern Swisscom die hiesigen Medienschaffenden ein, um ihnen ein «einzigartiges Multimediaerlebnis» zu bieten. In der Gerüchteküche brodelte es. Wird die Swisscom eines dieser begehrten Dinger abgeben? In Sachen Mobile-TV und Nokia N77 zeigte sich die Swisscom gegenüber der Journaille eben grosszügig. Im Gespräch mit Berufskollegen zeigte sich, dass man sich im Hiltl zusammen fand, um ein iPhone im wahrsten Sinne des Wortes abzustauben. Die Motive waren unterschiedlich. «Mein Chef schickt mich hierher, weil er seiner Tochter das Teil schenken will», meint ein junger Journalist. Sein Tresennachbar liess gar die «beste Party» des Jahres sausen, um an ein Gerät zu kommen. «Kauf ich mir doch nicht», sagt er unverblümt. Gleich mehrere Redaktionsvertreter einer Pendlerzeitung stehen erwartungsvoll herum. Man ist nervös. «Ich hab zwar schon eines, aber meine Freundin will auch eines», gibt einer offen zu Protokoll. Sein Arbeitskollege sagt: «Hab gehört, dass iPhones verteilt werden. Hab mich also noch schnell angemeldet.» Minuten später erklärt ein Journalist von einer Qualitätszeitung mit Weltruf, dass er auf keinen Fall was über das iPhone berichten werde. Warum er hier sei, fragen wir. «Ich will Pornos auf dem iPhone gucken», sagt er und nippt am Bier. Erstaunt wenden wir uns zum nächsten Gesprächspartner. Und tatsächlich gibt es Journalisten, die noch nie ein Gerät in den Händen hielten, aber ihren mehrseitigen Testbericht längst verfasst haben. Wie das geht, fragen wir. «Dank Google und Blogs», lautet die Antwort. Aufgefallen ist uns noch eine Journalistin einer Tageszeitung aus dem Haus Tamedia. Auf die Frage, ob sie das iPhone nach dem Test behalte werde, sagte sie: «Alles was über 100 Franken kostet, schicken wir zurück.» Vorbildlich, denken wir. Andere kommentieren die Aussage als reines Kodexgeplapper. Ein iPhone zu behalten sei weniger schlimm, als über Wochen das Telefon zum Hauptthema zu machen. Einer zählte in den letzten Tagen akribisch die iPhone Nennungen in Artikeln seiner Kollegen. «Einmal habe ich 41 gezählt. Unglaublich oder?» Skandalös, sagen wir. Bezüglich iPhone sind wir übrigens mit leeren Händen von dannen. Die Swisscom hat nicht allen Journalisten ein Testgerät abgegeben, sondern nur denen, die für reichweitenstarke Titel arbeiten. Die Werbewoche fliegt offensichtlich unter dem Wahrnehmungsradar der Swisscom. Zum Trost: Unsere Kollegen müssen das Ding in vierzehn Tagen zurück schicken.
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Die Lancierung des iPhone 3G war ohne Zweifel eine Sensation. Die Werbewoche-Redaktion war selbst vor Ort und staunte nicht schlecht, als sie das Gerangel vor dem Swisscom-Shop in Zürich beobachtete. Noch mehr gestaunt haben wir über den Medienevent im Restaurant Hiltl. Vor dem offiziellen Verkaufsstart des iPhone 3G lud der Telefonkonzern Swisscom die hiesigen Medienschaffenden ein, um ihnen ein «einzigartiges Multimediaerlebnis» zu bieten. In der Gerüchteküche brodelte es. Wird die Swisscom eines dieser begehrten Dinger abgeben? In Sachen Mobile-TV und Nokia N77 zeigte sich die Swisscom gegenüber der Journaille eben grosszügig. Im Gespräch mit Berufskollegen zeigte sich, dass man sich im Hiltl zusammen fand, um ein iPhone im wahrsten Sinne des Wortes abzustauben. Die Motive waren unterschiedlich. «Mein Chef schickt mich hierher, weil er seiner Tochter das Teil schenken will», meint ein junger Journalist. Sein Tresennachbar liess gar die «beste Party» des Jahres sausen, um an ein Gerät zu kommen. «Kauf ich mir doch nicht», sagt er unverblümt. Gleich mehrere Redaktionsvertreter einer Pendlerzeitung stehen erwartungsvoll herum. Man ist nervös. «Ich hab zwar schon eines, aber meine Freundin will auch eines», gibt einer offen zu Protokoll. Sein Arbeitskollege sagt: «Hab gehört, dass iPhones verteilt werden. Hab mich also noch schnell angemeldet.» Minuten später erklärt ein Journalist von einer Qualitätszeitung mit Weltruf, dass er auf keinen Fall was über das iPhone berichten werde. Warum er hier sei, fragen wir. «Ich will Pornos auf dem iPhone gucken», sagt er und nippt am Bier. Erstaunt wenden wir uns zum nächsten Gesprächspartner. Und tatsächlich gibt es Journalisten, die noch nie ein Gerät in den Händen hielten, aber ihren mehrseitigen Testbericht längst verfasst haben. Wie das geht, fragen wir. «Dank Google und Blogs», lautet die Antwort. Aufgefallen ist uns noch eine Journalistin einer Tageszeitung aus dem Haus Tamedia. Auf die Frage, ob sie das iPhone nach dem Test behalte werde, sagte sie: «Alles was über 100 Franken kostet, schicken wir zurück.» Vorbildlich, denken wir. Andere kommentieren die Aussage als reines Kodexgeplapper. Ein iPhone zu behalten sei weniger schlimm, als über Wochen das Telefon zum Hauptthema zu machen. Einer zählte in den letzten Tagen akribisch die iPhone Nennungen in Artikeln seiner Kollegen. «Einmal habe ich 41 gezählt. Unglaublich oder?» Skandalös, sagen wir. Bezüglich iPhone sind wir übrigens mit leeren Händen von dannen. Die Swisscom hat nicht allen Journalisten ein Testgerät abgegeben, sondern nur denen, die für reichweitenstarke Titel arbeiten. Die Werbewoche fliegt offensichtlich unter dem Wahrnehmungsradar der Swisscom. Zum Trost: Unsere Kollegen müssen das Ding in vierzehn Tagen zurück schicken.